Die beste Notfallmedizin? - Dein Atem!

Fundstücke aus der Natur
Fundstücke aus der Natur

 

Krisen hat schon jeder von uns erlebt. Mehr oder weniger grosse, mehr oder weniger lang andauernde. Und auch überlebt. Zum Teil mit professioneller Hilfe, oft auch ohne. Wendepunkte gehören zum Leben. Da sind wir uns alle einig. Auch das es jeden und zu jeder Zeit treffen kann. Als Gemeinschaft haben wir einen solchen am 16. März 2020 erlebt, als der Schweizer Bundesrat die Situation um die Ausbreitung des Coronavirus als «ausserordentliche Lage» gemäss Epidemiengesetz eingestuft und alle Läden, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe geschlossen hat. Plötzlich war nichts mehr wie vorher… Homeoffice und Homeschooling unter einen Hut bringen. Telefonkonferenzen, Mails beantworten, Mittagessen kochen, Streit zwischen den Kindern schlichten und schlaflose Nächte aus Sorge um Angehörige, Arbeitsstelle oder Einkünfte… Stress pur!

 

Tagesstruktur gibt Halt

Im Zusammenhang mit dem Lockdown habe ich zuerst begonnen, mir und meiner Familie eine neue Tagesstruktur aufzubauen. Als Psychologin weiss ich – und empfehle es auch jeweils meinen Klienten, denen die Arbeitsstelle gekündigt worden ist –, dass eine regelmässige Tagesroutine sich positiv auf die menschliche Psyche auswirkt. Sie vermittelt Halt und Ordnung und gibt dadurch etwas Sicherheit. Also achtete ich auf regelmässige Aufsteh- und Essenszeiten, klar abgetrennte zeitliche Bereiche für Schulisches und Geschäftliches, Bewegung und frische Luft sowie genügend Raum für Lieblingsaktivitäten.

 Aber all das zu jonglieren und gleichzeitig für die Kids Ruhe und Zuversicht auszustrahlen, die ich selber immer wieder verlor, forderte mit der Zeit seinen Tribut. Meine Schlafqualität verschlechterte sich rapid. Ich wachte morgens müde und mit Kopfschmerzen auf, ernährte mich von Kaffee und Schokolade und spätestens gegen Abend war mir eigentlich nur noch zum Heulen.

 

Das Einfache und seine Wirkung
Das Einfache und seine Wirkung

Was tun? Was hilft?

«Aussergewöhnliche Situationen erfordern aussergewöhnliche Massnahmen» sagt man. Aber was? Es war emotional ein ständiges Auf und Ab. Ich versuchte das Beste aus der Situation zu machen und einen Tag nach dem anderen zu nehmen. Manche waren besser und andere… Na ja, da zog ich alle Register von Frühjahrsputz, Yoga Übungen, Nähen, Spaziergängen, Velo Touren mit den Kids, Schoggi Essen… und vergass das Einfachste! Erst ein Interview des Schweizer Fernsehen mit der erfahrenen Zen-Meisterin und Psychologin Anna Gamma brachte mich wieder darauf: Unser Atem! Den haben wir immer dabei, ist ein uns vertrauter Rhythmus und hilft, uns fürs Leben im Jetzt zu öffnen.

 

«Für mich ist die Aufmerksamkeit auf den Atem wie Notfallmedizin.» sagt Anna Gamma. Wenn wir uns ihm anvertrauen, kommen wir ganz bei uns an und können erkennen, was wesentlich ist. Auch in meinem Blog Artikel «Atem und Bewegung» habe ich auf die heilsame Komponente des Atems hingewiesen. Wie konnte ich dies nur vergessen? Zu meiner Entschuldigung möchte ich anfügen, dass ich vermutlich mit all meinem Organisieren und Strukturieren des Alltags zu stark im Aussen und im Handeln und deshalb gar nicht bereit war für das sanfte Sein des Atems und der Stille… Mittlerweile habe ich einige Atemübungen in meine Morgenroutine eingebaut und merke, wie ich ruhiger, zuversichtlicher und energievoller bin, weniger «Corona-News» lese und den Moment, so wie er gerade ist, wieder annehmen und geniessen kann.

 

Übung für deinen Notfall-Koffer

Gerne möchte ich euch eine kleine, feine Atem-Übung vorstellen, die ihr nahezu überall und zu jeder Zeit ausführen könnt. Sie braucht weder viel Zeit, noch viel Platz und tut unendlich gut! Probier’ sie aus! Am besten: Du übst sie während einigen Wochen regelmässig, um zu spüren, wie sie an unterschiedlichen Tagen und in unterschiedlicher Stimmungslage bei dir wirkt.

 


Atem Meditation

 

Stelle dich hüftbreit hin und richte dich auf.

Stell dir dazu vor, dass dich jemand an einem Faden am Scheitel nach oben zieht und dann wieder loslässt.

 

Deine Füsse sind fest im Boden verankert.

Stell dir vor, es würden Wurzeln daraus tief in den Boden hineinwachsen.

 

Schwinge nun ganz leicht mit dem Einatem mit dem Körper nach vorne.

Die Füsse bleiben am Boden. Das Gewicht liegt auf dem Ballen.

 

Die Augen bleiben offen und sind in die Welt hinaus gerichtet.

 

Mit dem Ausatem schwingt der Körper wieder zurück.

Das Gewicht der Füsse liegt dabei eher auf der Ferse.

 

Dein Fokus richtet sich vom Aussen zu dir und in dein Inneres.

 

Wiederholte die Sequenzen so lange, wie es für dich stimmt oder du Zeit hast.

 


Mit den besten Wünschen für euch und eure Liebsten!

Herzlichst 

Eveline Baumgartner Meier

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Christine Seyffer (Freitag, 19 Juni 2020 12:16)

    Liebe Eveline
    Deine Webseite spricht mich sehr an! Ich freue mich sehr, bei dir erste Erfahrungen in Atemtherapie zu machen und mich in meinem Veränderungsprozess von dir begleiten zu lassen.

    Liebe Grüsse
    Christine ( von heute im 33B ;-)


 

 

 

Eveline Baumgartner Meier

Arbeits- und Organisationspsychologin FH

Atemtherapeutin i.A.

Schriftpsychologin

 

 

 

PRAXIS Oberhus 3, 6023 Rothenburg

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