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8sammeln Juli

8 Sinnes-Momente am 08.07.2024

 

Das 8SAMMELN, zu dem meine Atem- und Blog-Kollegin Susanne Wagner jeweils am 8. des Monats aufruft, hat für mich viel mit einem der acht Orientierungspunkte der Achtsamkeit zu tun, nämlich mit dem "Anfängergeist". Damit ist der Blick eines Neugierigen, einer Forscherin oder eines Kindes gemeint. Schauen wir mit dieser Haltung auf die täglichen Dinge, sind wir offen für neue Erfahrungen und erkennen den ganzen Reichtum des Augenblicks.

 

"Der Anfängergeist ist der offene Geist, die Haltung,

die sowohl Zweifel wie Zuversicht einschliesst

sowie die Fähigkeit, die Dinge immer frisch und neu zu sehen."

 

Shunryu Suzuki, japanischer Zen-Meister

 

 

Seit ich das 8SAMMELN praktiziere, bin ich jedes Mal aufs Neue überrascht und berührt von den zauberhaften kleinen Entdeckungen, die mir das Innehalten und bewusste Wahrnehmen beschert. So bin ich gespannt, welche Magie des Augenblicks ich dieses Mal entdecken werde...

#1 Wie fühlen sich Ferien an?

Lesender Ferienstart
Lesender Ferienstart

Ich habe noch gar nicht richtig realisiert, dass die Sommerferien begonnen haben. Erst heute, als der Wecker nicht wie gewohnt um 5.45 Uhr klingelte, sondern ich stattdessen vom Gezwitscher der Vögel und einem Sonnenstrahl geweckt wurde und ich mir den Luxus gönnte, morgens im Bett noch etwas zu lesen. 

Ich spüre das Gewicht des Buches in meinen Händen und nehme die weiche Textur der Seiten unter meinen Fingern wahr. Abgesehen von den munteren Vögel ist es noch still im Haus. Mit jedem Atemzug lasse ich mich tiefer in die Matratze sinken und meine Muskeln lösen die letzten Spannungen auf. Meine Augen gleiten über die Buchstabenreihen und mein Verstand versinkt in der Fantasiegeschichte. Tief in mir nehme ich den Klang einer Antwort auf die Frage wahr: "Wie fühlen sich Ferien an?". Ganz klar so!

#2 Mit den Händen hören

Weitermachen!
Weitermachen!

 

Unsere Katzendame hat es sich auf dem Balkonsofa gemütlich gemacht. Ich setze mich noch einen Moment dazu und kraule sich am Hals. Sofort rollt sie sich auf den Rücken und streckt mir ihr Bäuchlein entgegen. Das bedeutet unmissverständlich: "Mehr davon!" Ich schmunzle und komme dieser Aufforderung gerne nach. Einen Moment lang versinke ich in den Empfindungen des seidigen Katzenfells unter meiner Hand und der Wahrnehmung der noch frischen Morgenluft auf meiner Haut. Plötzlich stutze ich. Ich nehme das Vibrieren des Schnurrens unter meiner Hand wahr, obwohl meine Ohren keinen Ton hören.

#3 Tanz auf der Zunge

Zerplatzende Heidelbeeren und erdige Haferflocken
Zerplatzende Heidelbeeren und erdige Haferflocken

Zum Frühstück gibt es Heidelbeer-Kokos Overnight Oats. Diese bestehen aus über Nacht in Milch eingelegte Haferflocken, die mit Joghurt, Banane, Kokosnussflocken und Heidelbeeren geschichtet sind. Ich habe dieses Rezept noch nie ausprobiert und bin gespannt, wie es schmeckt.

Meinen Augen werden sofort von den dunkelvioletten Heidelbeeren angezogen, die oben aufliegen. Ich nehme einen Löffel voll davon, zusammen mit Joghurt und Banane. In meinem Mund erlebe ich eine Geschmacksexplosion aus cremiger, kühler und glatter Konsistenz. Die Heidelbeeren widersetzen sich kurz dem Druck meiner Zunge, bevor sie schliesslich platzen und ich die Textur der Schale und die leichte Säure der Beere schmecke. Der nächste Löffel geht tiefer ins Glas und ich spüre die leicht körnige Textur der Haferflocken zusammen mit Milch und Joghurt in meinem Mund. Überraschenderweise erinnern mich die Haferflocken an Erde.

#4 Unerwarteter Duft

dicht, schwer und aufdringlich
dicht, schwer und aufdringlich

 

 

Ich warte an der Haltestelle auf den Bus. Plötzlich weht ein intensiver Parfümduft an meiner Nase vorbei. "Süss, sehr süss" ist mein erster Gedanke. Der Duft ist aufdringlich, denn schon beim nächsten Atemzug mischt er sich wieder unter den Sauerstoff. Er ist dicht und schwer. Zu schwer und zu aufdringlich. Ich würde mich gerne dagegen wehren. Aber wie?

 

#5 Eindeutig typisch Sommer

Und wupps ist der Becher leer!
Und wupps ist der Becher leer!

 

Sommerzeit ist Glacezeit! Ich sitze mit meinem jüngeren Sohn auf einer Bank am Ufer des Vierwaldstättersees. Schweigend frönen wir der typischen Sommerbeschäftigung. Nur schon beim Ansehen der glänzenden Glacekugel spüre ich, dass sich der Speichel in meinem Mund sammelt und ich kann kaum widerstehen, mit meinem Löffel in die schon etwas angeschmolzende Oberfläche zu stechen. Der erste Löffel: Kalt, wässrig, mit leichtem Geschmack nach Vanille und zwischendurch körnigen Guetzli Stücklein. Ich habe mich für die Sorte "Cookie" entschieden und spüre zuweilen leichte Enttäuschung, dass nicht jeder Happen viel von diesen schokoladigen Stücklein enthält... und dass der Becher viel zu schnell leer ist!

#6 Knuspernde Gedanken

Eine Schale voller Geräusche
Eine Schale voller Geräusche

Zwischenmahlzeit: "Natchos Chips". Ich nehme eine ganze Scheibe in den Mund und höre ein knackig-knuspriges Geräusch. Ganz erstaunt merke ich, dass ich dieses Geräusch als etwas wahrnehme, was in meinem Kopf ist und nicht von aussen an meine Ohren dringt. Mit jedem weiteren Bissen rücken meine kauenden Backenmuskeln und mahlenden Zähne in den Fokus meiner Aufmerksamkeit. Mit jedem Kauen spüre ich deutlich, wie die Natcho Stücke zerrieben werden, von gross zu klein, bis sie zu Brei geworden sind.

#7 Storchen Party

Gemeinsames Mahl im Grünen
Gemeinsames Mahl im Grünen

 

Unterwegs mit dem Velo ins Yoga. Plötzlich erhaschen meine Augen drei weiss-schwarz Gefiederte auf dem Feld. "Störche!" Vor Überraschung und Freude entschlüpft mir ein Freudenschrei. Dabei macht sowohl meine Stimme wie auch mein Herz einen kleinen Hüpfer. Ein strahlendes Lachen überzieht mein Gesicht. Ich freue mich so über diesen Anblick. Der Storch ist bei uns ein eher seltener Gast. Meist besuchen uns die Fischreiher. Ich freue mich natürlich auch über sie. Aber seit ich im Frühling im Elsass praktisch auf jedem Hausdach ein Nest mit einem Storchenpaar sah, haben sie einen speziellen Platz in meinem Herzen.

#8 Mit Schnuff zum Ziel

Gerumpel und Geschüttel, aber alles bleibt an seinem Ort
Gerumpel und Geschüttel, aber alles bleibt an seinem Ort

 

Die Velofahrt ins Yoga führt mich unter anderem über einen Feldweg. Da werde ich ziemlich durchgeschüttelt und mein Hände müssen die Lenkstange gut festhalten, damit ich nicht vom Weg abkomme. Kaum gelange ich wieder auf eine asphaltierte Strasse geht es dafür bergauf. Mein Atem wird deutlich hörbar und die Atembewegungen sichtbarer. Ein leichtes Ziehen zeigt sich in meinen Oberschenkelmuskulatur. Mich erfreuen diese körperlichen Zeichen der Bewegung. In der letzten Zeit kam sie einfach zu kurz.


Meine 8SAMMELN-Erkenntnis des Tages

 

Auf den ersten Blick scheinen mein acht Momente unspektakulär zu sein. Doch dank der für Achtsamkeit typische offene und neugierige Haltung habe ich wundervoll überraschende Augenblicke erlebt, die mich reich beschenkt zurücklassen. 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Birgit Buchmayer (Montag, 15 Juli 2024 14:03)

    Deinen bunten Strauß � an Sinneseindrücken beschreibst so gut. Da kann ich mich sofort hineinversetzen.
    Lieben Gruß, Birgit


Eveline Baumgartner Meier

Arbeits- und Organisationspsychologin FH

Atemtherapeutin IKP

Schriftpsychologin FH

Achtsamkeitslehrerin

PRAXIS Oberhus 3, 6023 Rothenburg

TELEFON 079 271 76 24

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